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FEST DER SINNE

Das Wunder verbirgt sich hinter einer unscheinbaren Zedernholztür in einer hohen fensterlosen Mauer: eine Halle so gross wie ein halbes Fussballfeld, Fussboden und Wände in unglaublicher Pracht mit Mosaiken verziert, zwei Galerien von denen die Zimmer abgehen, im Innenhof ein Schwimmbecken aus Marmor, ein Springbrunnen, Rosenstöcke... ein Märchen aus tausendundeiner Nacht. "Im Islam ist es nicht üblich, mit Reichtum zu protzen," sagt Fouzia Sefrioui, mit ihrem Mann Chakir Besitzerin dieses Herrenhauses, in Marokko Riad genannt. Seit einigen Jahren werden alte Paläste restauriert und als Luxushotels geführt, es gibt sie in Marrakech, in Rabat, in Fes. Doch nicht nur der alte Lebensstil wird hier gepflegt, auch für die Sinne wird gesorgt. Fouzia legt Wert auf erlesene Küche. "Wenn eine Frau in Fes heiratet, muß sie die Küche der vier traditionellen Familien von Fes kochen können."" erzählt sie, während ich mich durch die Vorspeisen nasche: Bdenjal meqli,Auberginenmousse, taktouka, Zucchini und Tomaten, fein gewürzt, frisch gebackenes Fladenbrot, dazu frisch gepresster Orangensaft. Ich lehne mich zurück. Mein Blick wandert über das andalusisch geprägte Mosaikdekor zu den hohen bunten Glasfenstern. Chakir Sefrioui ist Architekt und hat die Restaurierung seines Hauses selbst geleitet.

Hier ist von der Hitze des nordafrikanischen Nachmittags nur ein angenehmes warmes Lüftchen zu spüren. Die Mauern des hohen Hauses halten die Innenräume und den Hof kühl und speichern die Wärme, wenn es kühler wird. Artischockenherzen mit Lammfleisch wird aufgetragen. Fouzia lacht über meine Begeisterung. "Natürlich haben wir eine sehr gute Küche," sagt sie, "aber es liegt auch an den Zutaten. Alles wird zwei Stunden vor der Zubereitung frisch auf dem Markt gekocht."

Eine Creme mit Mandeln rundet das Essen ab. Mittlerweile kann ich mich kaum noch bewegen. Gutes Essen macht friedlich. Nach einem Mittagsschlaf, begleitet von dem entfernten Rhythmus einer Tar, einer Handtrommel mache ich mich auf Entdeckungsreise. Saida, "die Glückliche", begleitet mich. "Wenn du in einem Viertel irgendwo in einem islamischen Land Auskunft über jemanden brauchst, musst du zu einem Bäcker gehen," sagt sie. "Die Bäcker backen die Brote von allen Familien. Sie wissen genau Bescheid." Wir kommen an einem Hammam vorbei. Männer und Frauen gehen getrennt ins Schwitzbad. Heute ist Frauentag. Zum Rausch der Sinne, den Farben und Ornamenten, den Düften, dem guten Essen, der Musik kommt jetzt die Wonne des heissen Bades. Ein Hammam ist aber nicht einfach nur ein Schwitzbad. In einem aufgeheizten gekachelten Raum wird von der Badefrau zuerst der Körper mit Seife massiert, mit vielen Güssen von heissem Wasser gereinigt und dann mit einer Erdpaste und einem sehr rauhen Waschlappen abgerieben Diese Erde ist das geheime Schönheitsmittel marokkanischer Frauen. Jede Frau hat ihr eigenes Rezept, wie sie zubereitet wird. Nach heissen und kalten Güssen folgt eine Ruhezeit, in der die Frauen Neuigkeiten austauschen und frische Früchte essen. Eine besondere Köstlichkeit ist auch der Vanillejoghurt, der in jedem Haushalt selbst hergestellt wird.

Am späten Nachmittag lasse ich mich von Chakir in die Tradition von Fes einweihen und erfahre, dass es hier schon im neunten Jahrhundert eine derart hochentwickelte Wasserversorgung gab, wie sie selbst heute in umweltorientierten Kommunen noch nicht üblich ist. "Es gab eine Leitung für Trinkwasser, für Waschwasser und für Brauch- und Spülwasser", sagt Chakir. "Auch was die Integration von verschiedenen Ethnien angeht kann Fes ein Beispiel geben. Andalusier, Tunesier, Afrikaner, Juden, Moslems, Christen – die verschiedensten Ethnien leben hier seit hunderten von Jahren in Frieden zusammen."

Am nächsten Tag besuche ich mit Saida die ehemalige islamische Universität und erlebe eine Überraschung: diese Universität wurde im neunten Jahrhundert von einer Frau aus dem tunesischen Kairuan, Fatima Al-Fihria gestiftet und war damit die erste Universität der Welt. Frauen war allerdings bis 1957 das Studium dort verboten. Heute ist sie eine Moschee. An der Aussenwand der Medersa Attarine-Moschee erregt eine blankpolierte Messingplatte meine Aufmerksamkeit. "Wenn man die Hand hier drauflegt, kann man von der Kraft des Moulay Idriss, des Gründers von Fes, etwas spüren," sagt Saida. "Jedenfalls glauben das viele Frauen." Daneben gibt es eine vergitterte Nische. "Dieses Gitter ist eine Art Orakel. Man bindet ein Band daran. Wenn das Band am nächsten Tag weg ist, geht der Wunsch, den man damit verbunden hat, in Erfüllung." Hier scheinen alle Wünsche in Erfüllung zu gehen – als ich mich umdrehe, sehe ich, daß Kinder alles wegnehmen, was nicht niet- und nagelfest ist.

Schönheitsrezepte aus Marokko

Erdpaste.
Erde wird so lange geschlämmt, das heisst gewaschen, bis alle groben Teile herausgefiltert wurden. Dann wird sie auf Kacheln in die Sonne zum Trocknen gelegt und in kleine Teile gebrochen. Diese getrockneten Erdstückchen, etwa eine Handvoll für eine Waschung, werden dann mit einem Absud vom "Ziegenbaum" (l’arganier) oder mit Kamillentee zu einem Brei aufgeweicht.

Huile D’Argan
Das Öl der Früchte des Ziegenbaums gilt als besonderes Schönheitsmittel der marokkanischen Frauen. Gesicht und Körper werden nach dem Hammam damit eingerieben.

Das Riad Fes, 5 Derb Ben Slimane, Zerbtana, Fes Medina Marokko
bietet themenorientierte Ferienaufenthalte zu besonderen Preisen an, z.B. vier Tage mit einem Einführungskochkurs in marokkanische Küche, in Gipsskulptur und Stickerei.
Oder
Vom 31. Mai bis 8. Juni 2002 das Festival de la Musique Sacrée (Festival der Spirituellen Musik) Auskünfte über riad.fes@iam.net.ma

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