Das Auge

tagebuch / diary

in meinem tagebuch schreibe ich in unregelmässigen abständen über ereignisse, gedanken, träume in meinem leben.
my diary reflects my thoughts, dreams and the events of my life.
fin'ora non riesco ancora di scrivere il diario internet in italiano, ma farò uno sforzo qualche volta!
c'est difficile pour moi ecrire mon journal internet en francais mais je veux essayer quelche fois!
zurückSeite 3 von 1062
weiter
luisa in one beautiful world - 03.10.2019 um 07:17:47

  


gestern war gesundheitscheck im dorf. das ist etwas ganz wunderbares, lustiges. da kommt ein bus mit lauter jungen ärztInnen und auf dem dorfplatz sitzen erwartungsfroh die alten leute mit stühlen, die aus dem kulturzentrum und dem café rausgestellt sind. sie ratschen und lachen und dann verteilen sich die ärztInnen, die glaube ich im praktikumsjahr sind, weil sie noch so viel spaß haben und unterhalten sich mit den leuten, die nun gar nicht wie patientInnen wirken. das gehör wird mit einem kleinen kästchen geprüft, manche werden in den bus begleitet, da wird blutdruck gemessen. hauptprobleme, altersgemäß halt, schwerhörigkeit, diabetes. es ist weniger eine todernste medizinische sache, mehr so ein gesellschaftliches ereignis.
Genauso wenn die händler kommen, die man an ihren unterschiedlichen hupen erkennt. der kleiderhändler hat immer musik, obst und gemüse eine dreiklanghupe, das brot kommt gegen neun und der bäcker hupt länger. alle wissen bescheid, mittlerweile sogar ich.

yesterday there was health check in the village. that's something really wonderful and funny. a bus comes and several young doctors, probably in their first year, get out and meet the old people who sit in anticipation on chairs from the cafe and the centro cultural. they chat and laugh and then talk to the young doctors who obviously enjoy their job. the main problems seem to be getting deaf and diabetes,small wonder in old age, some are called into the bus to check blood pressure. It seems less a very serious medical check up, more a social event that every one enjoys.
Just like with all the merchants who are recognizable by their sounds: clothes is music, vegetable and fruit a horn witha triad sound and the baker, around nine o clock in the morning, hoots his horn. Everyone knows - even me now.
luisa in one beautiful world - 02.10.2019 um 08:22:33

  


Auf dem titel einer wochenendbeilage einer portugiesischen zeitung ist greta thunberg zu sehen und die frage „opfer oder führerin“. Das ist halt das problem, wenn ein wichtiges thema so stark von einer einzigen person rübergebracht wird – ist diese person mal durch fiese berichterstattung zerlegt, kann man das thema auch vergessen. Dass natürlich seit jahrzehnten der klimawandel von allen möglichen journalistInnen, wissenschaftlerInnen usw. thematisiert wird, interessiert halt nicht so. Der australische wissenschaftler und schriftsteller michael mobbs zieht jetzt aus seinem – mittlerweile berühmten – nullenergiehaus in sydney aufs land, weil er die katastrophe kommen sieht und komplett autark sein will. Das kommt mir allerdings vor wie das kind das sich die augen zuhält und glaubt es sei versteckt. Die leute die heute den klimawandel leugnen sind doch bestimmt die ersten, die die wenigen überfallen, die noch frisches wasser und unverseuchte nahrung haben.

Catherine ingram, autorin von „facing extinction“ und „stay cool in a world on fire“ warnt seit langem vor den folgen unseres hemmungslosen energieverbrauchs. Eine der frühesten aktivistinnen gegen chemie in der landwirtschaft war rachel carson / spannende biographie von dieter steiner/ die praktisch allein bewirkt hat, dass ddt verboten wurde. Auch sie wurde damals von der saturday evening post als panikmacherin belächelt.
In der new york times schreibt jetzt david wallace-wells in einem artikel „time to panic“, dass es in der wissenschaftsszene lange zeit verpönt war, die fakten so knallhart zu veröffentlichen, dass panik aufkommt. Seiner meinung nach war das ein fehler, weil dadurch immer wieder verharmlost wurde, wie krass der wandel jetzt schon ist.

Bei meinem ausflug ans meer wurde mir klar, dass natürlich der tourismus der totale klimakiller ist. Nicht nur wegen flugreisen. In dem neu gebauten hotelviertel von milfontes hat wirklich jedes einzelne zimmer eine klimaanlage und touris duschen nun mal gern ausführlich wenn sie im meer waren. Das ist jetzt nur ein kleiner ort, davon gibt’s aber weltweit millionen. Wo soll das ganze wasser herkommen? Der strom ist ja in portugal mittlerweile schon mehr als die hälfte in chinesischer hand. Es wird zeit für meine solarzelle auf dem dach.
luisa in one world - 30.09.2019 um 16:27:48

  


Vom meer gestärkt und von ritas schönem land begeistert war ich gestern stark genug wieder aufs dach zu steigen und endlich die kleine reparatur am kamin zu machen und zu streichen. Ich stieg über den feigenbaum hinauf und hatte sofort die körpererinnerung: ilse, traudchen und ich steigen auf den kletterbaum an der mariensäule, unseren rückzugsort in der kindheit. Ich fragte mich: hauen kinder heute eigentlich noch ab und steigen heimlich auf bäume?
Jedenfalls ist eins wahr: es ist alten frauen nicht verboten auf bäume zu steigen.

Restored by the sea and delighted by ritas beautiful land i felt strong enough to climb up the roof again and do those little repairs necessary at the chimney and whitewash it. I climbed up the fig tree and immediately had a physical memory of my sister, our friend and me climbing up "our" tree in the woods during childhood, where we used to withdraw. I wonder: do children nowadays take off and climb trees secretly?
Anyway one thing is true: it's not prohibited for old women to climb up trees.
luisa in one magical world - 29.09.2019 um 07:51:03

  


Wenn ich ins bett gehe,übe ich: ich denke nur was ich will. Ihr kennt das ja wahrscheinlich auch, kaum liegst du da, rotiert das hirn und von der steuererklärung bis „wo ist eigentlich der radlschlüssel“ geht alles durch, was unerledigt, unangenehm oder einfach nur lästig ist. Dann denke ich was ich will. Meistens geh ich diesen zauberhaften weg von nepal nach mustang, den ich mal illegal ohne permit gegangen bin, hinter kagbeni durch das karge flusstal. Da ist irgendwo so ein gerstenfeld, von steinen umgeben, an den rändern wächst hanf. Es hat einen ganz eigenartigen klang wenn der wind durchfährt. Oder ich geh zum steinheiligtum hier und spür die stille und wenn eine leise stimme im hintergrund flüstert: wo hast du denn den pass hingetan? Mach ich einfach nur schschsch.
wenn etwas einfach nicht verschwinden will schreib ich es auf den block "morgen erledigen" der neben meinem bett liegt - hilft immer.

When i go to bed i do the „i only think what i want to think“ training. I suppose you know that: the moment you sink into your bed all the horrible, unpleasant, restless thoughts come up, starting with the tax declaration to „where the hell is my bycicle key“ ecc. and then i think what i like to think. Most of the times i go to this wonderful path from nepal to mustang i once walked illegally without a permit, from kagbeni further east through the bleak valley by the river. There is a barley field somewhere, surrounded by rocks with hemp growing at the sides. When wind comes up a strange rustling and hissing starts. Sometimes i go to the rock sanctuary quite nearby my place and i feel the silence and when a faint voice in the back of my head whispers: where did you put the bicycle key? I just do shshsh.
if something just wont disappear i write it down on the pad next to my bed "get done tomorrow". it always helps.
luisa in one magical world - 28.09.2019 um 13:36:11

 endlich am meer 


 rita vor ihrem haus 


  


  


 die schöne strandbar 


 da wars schön leer 


 strandbar und strand morgens 


 nie wieder rassismusportugal im finale 


Ich erinnerte mich dass es von mir zum meer nur zweieinhalb stunden sind, also nix wie hin. Gute idee. Zwar sind jede menge touristInnen unterwegs, stört mich aber gar nicht. das meer ist ja ungestört trotzdem voll da und mächtig wie immer.
Und dann hab ich's sechs jahre nach ute schirans tod endlich aufs land von ute und rita geschafft, das jetzt ritas land ist. Wie rita lebt – davon können die jungen klimaretterInnen nur träumen: kein smartphone, kein strom, kein fliessendes wasser, kein kühlschrank, ein gutes stück zufuss laufen, wildschweine, mungos, füchse, dachse, vögel, nachts nur sterne. Aber: im dorf gibt’s jetzt eine „casa nirwana“ , gutes essen, gesunde drinks, wlan und alles was das herz von ein- und aussteigerInnen begehrt.

I remembered that the sea is only two and a half hours away from my house, so off i went. Good idea. There are quite a few tourists there now but it doesn't bother me at all. The sea is there and does in a very powerful way what it always does.
And then i made it finally, six years after ute schiran's death again to ute's and rita's land. The way rita lives – young climate savers can only dream of: no smartphone, no electricity, no tapwater, no fridge, to reach the house you have to walk quite a bit. Wild boars, mungos, foxes, badgers, birds, at night only the stars. But the village has a „casa nirvana“ now, peace, good food, healthy drinks and wlan. Perfect for all those who want to escape civilization, but maybe not altogether....

____ nach oben ____

zurückSeite 3 von 1062
weiter

HOME | KONTAKT | MONDO CANE | TAGEBUCH | LUFRANCIA | IMPRESSUM/DATENSCHUTZ